SV Hundsangen e.V. 1926

02.01.2017, 06:57, Alter: 1 Jahre
Kategorie: Fussball

Amateure fodern mehr Geld

Von: rhein zeitung

Amateure fordern mehr Geld und Perspektive

FVR-Präsident Walter Desch diskutiert mit Vertretern der „kleinen Klubs“

 

 

Der Amateurfußball im Rheinland steckt in der Krise. In der vergangenen Saison weigerten sich gleich vier Vereine der Rheinlandliga, sich trotz guter sportlicher Chancen für die Aufstiegsrunde zur Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zu bewerben. Oberligist SpVgg Burgbrohl hat in Ermangelung sportlichen Erfolgs zur Saisonhalbzeit das Handtuch geworfen, und auch für die verbliebenen zwei Oberligaklubs FC Karbach und Rot-Weiß Koblenz ist die fünfthöchste Spielklasse vor allem wirtschaftlich ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Aufstiegskandidaten kalkulieren mit einem zusätzlichen Finanzbedarf im mittleren fünfstelligen Eurobereich, rechnen aber mit sinkenden Zuschauereinnahmen. Die Suche nach zusätzlichen Sponsoren ist schwierig bis aussichtslos. Währenddessen jonglieren die Profiklubs der Republik nach den neuen Fernsehverträgen mit gewaltigen Summen, die unterm Strich den Fußball nicht besser machen, und klauen den kleinen Vereinen mit TV-Liveübertragungen an sieben Tagen in der Woche, demnächst sogar am Sonntagmittag, Zuschauer.

 

 

Desch lobt DFB-Boss Grindel

 

Zum zweiten Mal in knapp drei Monaten trafen sich Vereinsvertreter der Oberliga und der Rheinlandliga, um über die missliche Lage zu diskutieren und nach Wegen aus der Misere zu suchen. Eingeladen hatte diesmal der Präsident des Fußballverbands Rheinland (FVR). Walter Desch wies Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen neuem Präsidenten zurück: „Reinhard Grindel ist auf die Bedürfnisse der Amateure eingegangen wie keiner vor ihm, er ist ein wahrer Präsident der Amateure.“

Den Wunsch, die kleinen Vereine sollten künftig mehr vom Geldsegen für die Erst- und Zweitligisten profitieren, hält der FVR-Präsident allerdings für illusorisch: „Dass die Geldmaschine DFL mehr abgibt, kann man fordern. Ich bin aber skeptisch, was die Erfolgsaussichten angeht.“ Die 2,5 Millionen Euro, die der Ligaverband DFL für einen „Masterplan Amateurfußball“ zur Verfügung stellt, sind nicht mehr als Brosamen vom Tisch der Superreichen.

Für den Salmrohrer Alt-Funktionär Peter Rauen liegt der Sündenfall darin, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Vermarktungsrechte für den Profifußball an die DFL abgegeben hat, „ohne die Amateure zu beteiligen. Das war ein schwerer Fehler.“ Desch verwies darauf, dass bei mangelnder Kooperationsbereitschaft des DFB eine Abspaltung des Profilagers drohe, die für die Amateure, die Nachwuchsarbeit und die sonstigen Aufgaben des Verbands verheerende Folgen hätte. „Auf die Dinge bei der DFL hat der DFB keinen Einfluss“, stellte Desch klar.

 

 

Was lehrt uns die Statistik?

 

Der Kritik der Vereine an den ausufernden Fernsehübertragungen vom Profifußball trat FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch mit der Statistik entgegen. Zuschauerzahlen der vergangenen drei Jahre belegen nach seiner Ansicht, dass Bundesligafußball im TV die Besucherzahlen auf den Amateurplätzen nur unwesentlich beeinflusst. Das sahen einige Vereinsvertreter anders und verwiesen darauf, dass bei Zuschauerzahlen im niederen dreistelligen Bereich schon 50 bis 80 Besucher mehr oder weniger eine nennenswerte Größe darstellen. Dass der Besucherschwund auf den Sportplätzen der unteren Ligen auch andere Ursachen hat als die TV-Konkurrenz, ist den meisten Vereinsvertretern indes auch bewusst.

Während Forderungen wie eine zweiprozentige Beteiligung der Amateure an den Einkünften der Profiklubs illusorisch sind, können künftig wohl mehr Vereine vom Pokalwettbewerb profitieren. Im Rheinland wird der Pokalsieger, der für die Qualifikation zur ersten DFB-Pokalhauptrunde 155 000 Euro erhält, auf einen Teil dieser Summe (40 000 Euro) verzichten zugunsten der anderen Teilnehmer des regionalen Wettbewerbs. Auch das ist manchen nicht genug: „Da finanziert der Kleine die Kleinen“, monierte ein Diskussionsteilnehmer. Stattdessen, so der Vorschlag von Peter Rauen, solle der DFB zehn Prozent der für den Wettbewerb insgesamt zur Verfügung stehenden rund 60 Millionen Euro den Landesverbänden zur Unterstützung der kleinen Vereine zur Verfügung stellen.

 

 

FVR ist gegen eine Pokalreform

 

Die Umsetzung dieser Idee erscheint nicht unrealistisch, ist der Pokal doch ein Wettbewerb des amateurfreundlichen DFB. Plänen aus dem Profilager, diesen Wettbewerb so umzugestalten, dass die Topvereine erst in den späteren Runden eingreifen, wodurch den Kleinen die Chance auf ein attraktives Duell mit einem Bundesligisten verwehrt würde, erteilte Walter Desch eine klare Absage.

Um der Konkurrenz des Bundesligafußballs und dem Kostendruck einer sportlich unattraktiven Oberliga etwas entgegenzusetzen, plädierten einige Vereinsvertreter für eine Neugestaltung des regionalen Ligawesens (Desch: „Ich war schon vor Jahren für die Einstellung der Oberliga“) sowie eine Änderung des Rahmenterminplans: „Warum spielen wir nicht bis in den Mai und Juni, wenn die Saison der Profis vorbei ist?“, fragte Martin Hahn, der Vorsitzende des aktuell aufstiegsgefährdeten Rheinlandligisten FV Engers.

 

 

Arbeitsgruppe ohne Illusionen

 

Hahn gehört nun neben Peter Rauen, Walter Gorges (FSV Trier-Tarforst), Hans Molitor (TuS Mayen) und Wilfried Zils (SG Mülheim-Kärlich) einer Arbeitsgruppe an, die sich im Januar erstmals mit Walter Desch und anderen FVR-Vertretern treffen will, um diesen und andere Vorschläge zur Verbesserung der Situation im Amateurlager zu konkretisieren. Allzu viele Illusionen sollten die Vereinsvertreter sich aber nicht machen: „Man muss das Machbare sehen, nicht das Wünschbare“, sagte Desch und stellte klar: „Ich unterstütze nur Dinge, die Aussicht auf Erfolg haben.“

 

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