SV Hundsangen e.V. 1926

25.04.2017, 16:30, Alter: 1 Jahre
Kategorie: Allgemein

Erwin Metzger, SG Guckheim

Von: fws24 Wolfgang Gerz

Vom Auf und Ab eines dörflichen Fußballvereins

Kreisliga B Westerwald/Sieg: Erwin Metzger hat mit der

SG Guckheim/Kölbingen Höhen und Tiefen erlebt

 

 

vom Redakteur Wolfgang Gerz


Erwin Metzger kann man getrost als ein Urgestein bezeichnen. Der heutige Trainer der SG Guckheim/Kölbingen (Kreisliga B/Staffel 1) hält seinem Verein seit Jahren die Treue. Er hat eine Frau aus Guckheim geheiratet und im Ort ein Haus gebaut. Also ein echtes Eigengewächs? Weit gefehlt! Erwin Metzger kam mit seinen Eltern erst 1990 aus Kirgisien (über Lettland) nach Deutschland. Und er hat hier nach Schule und Ausbildung zwei Meisterprüfungen erfolgreich abgelegt. So geht Integration! Das dies so gut gelungen ist, führt er auch auf den Fußball zurück: Hier fand er Freunde, hier hat er Deutsch gelernt, hier wurde er mit heimischen Gegebenheiten und Gepflogenheiten vertraut. Seit Winter 2016 trainiert Metzger die Mannschaft, für die er viele Jahre selbst aktiv war. Und sehr erfolgreich obendrein. In der Landesliga-Mannschaft  hatte Metzger einen Stammplatz.


fws24: Herr Metzger, kommt Wehmut auf, wenn man an die erfolgreichen Guckheimer Zeiten in der Bezirks- und Landesliga erinnert wird?

Metzger: Definitiv. Ich bin froh, zu dieser Zeit gespielt zu haben. Als Fußball für mich nicht nur Hobby, sondern auch eine Berufung war. Ich hatte das Glück, diese Zeit mit Riesen- Typen zu erleben. Ich nennen nur Lars Boller, Mario Hölper, Thomas Bruchertseifer, Frank Fasel, Stephan Zorn, Stefan Purpart und Peter Litzinger als unseren Trainer.


fws24: Und wie sind Sie von denen aufgenommen wurden?


Metzger: Das waren gestandene Männer, zu denen ich als kleiner A-Jugend Spieler kam. Nach einigen „Willkommensgrätschen“ im Training, war ich sofort in der Mannschaft integriert. Ich hatte außerdem das Glück, sieben Jahre verletzungsfrei durchspielen zu können. Nachher hat mich der spätere Trainer Stephan Zorn sogar zum Kapitän ernannt.

"In der Rheinlandliga zu spielen war schon etwas Besonderes"


fws24: Sie gehörten zum Stammpersonal der ersten Mannschaft. Was nehmen Sie persönlich an Erinnerungen aus dieser sportlichen Hochphase mit? Was bleibt hängen; was kann einem niemand nehmen?

Metzger: Wir hatten nicht nur Hochs, da waren auch paar Tiefs dabei. Aber selbst in den Jahren wo wir gegen den Abstieg gespielt haben, war die Zeit unvergesslich. Diesen Zusammenhalt in der Truppe wünsche ich mir in der heutigen Zeit. Als es noch keine Handys gab und man sich nach dem Training oder den Spielen stundenlang unterhalten hat.


fws24: Von Guckheim führte der Weg dann über Westerburg nach Hundsangen.

Metzger: Ich muss gestehen, dass dies ab 2006 meine sportliche Hochphase war. In der Rheinlandliga zu spielen war schon etwas Besonderes. Vier Jahre war ich für Hundsangen am Ball. Vom damaligem Trainer Dirk Hannappel, hab ich am meisten über Fußball gelernt.


fws24: Können Sie sich noch an besonders packende Spiel erinnern?

Metzger: In Erinnerung bleiben mir vor allem die Lokalduelle gegen die SG Langenhahn/Rothenbach. In Langenhahn habe ich sogar einmal fast vom Mittelkreis aus ein Tor erzielt. Und das ausgerechnet im Derby.


fws24: Dann kam 2015 in Guckheim der tiefe Fall. Der freiwillige Rückzug von überkreislichen Fußballgeschehen in die Kreisliga C. Neuanfang nennt sich das dann. Wie kam es zu diesem Rückzug?

Metzger: Ich würde es heute nicht als tiefen Fall bezeichnen. Tiefer Fall ist für mich, runterfallen, liegen bleiben und nicht mehr auf die Beine kommen. Der Verein hat aus meiner Sicht einfach den Reset-Knopf gedrückt. Das Problem waren die vielen Söldner in der Truppe. So ist es ja heute noch bei vielen Vereinen. Wir hatten zu meiner Zeit damals einige von denen. Andere hingegen sind sogar nach Guckheim gezogen

.

fws24: Wie haben Sie die damalige Situation erlebt?

Metzger: Mit etwas Abstand aus der Ferne. Da mein Schwiegervater dem Vorstand der Eintracht Guckheim angehört, war ich dennoch auf dem Laufenden. Ich habe mich aber bewusst nicht eingemischt. Zu der Zeit spielte ich noch bei den Alten Herren.


fws24: Und wie hat man den Rückzug im Umfeld des Vereins aufgenommen. Was haben die Zuschauer, die Mitglieder und die Aktiven in der Mannschaft und im Vorstand gesagt?

Metzger: Verständlicherweise unterschiedlich. Es wurde nichts unversucht gelassen die Bezirksliga zu halten, doch mit der Qualität der verbliebenen Spieler war dies unrealistisch. Also gab es nur zwei  Optionen. Entweder jedes Wochenende ein Klatsche und ein deprimierendes Jahr oder Neuanfang mit einheimischen Burschen und Aussicht auf Erfolgserlebnisse. Man darf natürlich auch die finanziellen Einsparungen nicht unerwähnt lassen. Natürlich hat man in der Kreisliga C weniger Zuschauer, aber wenn man ehrlich ist, welcher Verein lebt noch von Zuschauereinnahmen?

"Das Problem lag vereinsintern"


fws24: Wie viele Spieler aus dem Kader der 1. Mannschaft sind nach dem Rückzug im Verein verblieben?

Metzger: Aus dem Kader der ersten Mannschaft nur vier.


fws24: Wie beurteilen Sie aus heutigem Blickwinkel die Entwicklung. Waren Landes- oder Bezirksliga eine Nummer zu groß für einen Verein wie Guckheim? War das Ende absehbar und war es lediglich eine Frage der Zeit, wann es wieder abwärts geht?

Metzger: Ich weiß, worauf sie hinaus wollen. Aber ich sage eins. Wir sind nicht einer dieser typischen Vereine, die wegen finanzieller Problemen die Klasse nicht gemeldet haben. Das Problem lag vereinsintern. Darauf möchte ich aber nicht näher eingehen, da ich einfach nicht nah genug an der Sache dran war. Der Verein Eintracht Guckheim hatte mit Sicherheit das Niveau und das nötige Kleingeld um in der Bezirksliga spielen zu können. Wir haben ja nicht umsonst über 20 Jahre überregional gespielt.


fws24: Fehlt Ihnen heute etwas zwischen Bezirks- und Rheinlandliga?

Metzger: Für mich war die Landesliga die schönste Liga, die hätte niemals abgeschafft werden dürfen. Der Sprung von Bezirksliga in die Rheinlandliga ist einfach viel zu groß. Das beste Beispiel sind Malberg oder Neitersen. Beide Mannschaften haben immer wieder die Bezirksliga dominiert und anschließend in der Rheinlandliga gegen den Abstieg gespielt.


fws24: Guckheim/Kölbingen hat dann wieder in der C-Klasse einen Neustart begonnen. War es schwierig genügend Spieler zu finden?

Metzger: Wir haben aktuell ein Kader von 64 Spielern für drei Mannschaften zur Verfügung. Natürlich ist es nicht einfach neue Spieler zu bekommen. Aber das war es ja noch nie.


fws24: Sie konnten ja auch schon eine erste Meisterschaft feiern und spielen jetzt wieder in der Kreisliga B. Kann man sagen das eine Talsohle durchschritten wurde ohne das größere Schäden im Vereinsumfeld zu verzeichnen waren?

Metzger: Ich kann Ihnen versichern, es sind keine nachhaltigen Schäden entstanden. Natürlich hat man paar Einbußen durch die Zuschauereinnahmen und es ist auch der eine oder andere Sponsor abgesprungen; doch der Verein ist stabil und steht auf gesunden Beinen.

"Langfristig wollen wir irgendwann in die A-Klasse aufsteigen"


fws24: Sie tragen als Trainer Verantwortung für die erste Mannschaft. Wie bewerten sie die momentane Situation?

Metzger: Ich persönlich bin leider sehr ehrgeizig und kann sehr schlecht verlieren. Natürlich würde ich die Mannschaft gern etwas weiter vorne in der Tabelle sehen. Doch das Verletzungspech hat uns ein Strich durch die Rechnung gemacht.  Aber mit dem sechsten Platz können wir für das erste Jahr in der B-Klasse gut leben.


fws24: Wie sieht die Perspektive für die Zukunft aus?

Metzger: Langfristig wollen wir irgendwann in die A-Klasse aufsteigen, aber dafür müssen wir noch etwas stabiler werden. Glücklicherweise haben wir eine sehr gute JSG, wo auch in Zukunft einiges an Talenten zu erwarten ist.


fws24: Bringt die A-Jugend auch Nachwuchs für die 1. Mannschaft?

Metzger: Natürlich sind nicht alle, die in den Seniorenbereich wechseln, auch gleich Verstärkungen für die 1. Mannschaft. Wir hatten besonders im A-Jugendsektor über viele Jahre Probleme; inzwischen läuft es aber besser. Derzeit trainieren sogar schon drei A-Jugendliche mit der 1. Mannschaft.


fws24: Sie drücken Eintracht Frankfurt die Daumen. Wie ist diese Vereinsliebe entstanden?

Metzger: Das ist ein ulkige Geschichte, die in meine Jugendzeit zurückreicht. Ich habe in Hangenmeilingen gespielt und es hieß am Samstag spielen wir in Frankfurt. Ich war damals noch nicht so vertraut mit allem und verstand die Sprache auch noch nicht so richtig. Was die Kumpels als Scherz gemeint hatten, nahm ich für bare Münze. Und so stand ich im Trainingsanzug und mit gepackter Tasche am Bus – als Einziger. Alle anderen waren normal angezogen, haben gelacht und mich dann aufgeklärt. Wir fahren ins Stadion um Fußball zu schauen. Es war ein Bundesligaspiel Frankfurt gegen die Bayern – und Frankfurt hat auch noch gewonnen. Ich war so begeistert vom dem tollen Stadion, der Atmosphäre und der Eintracht eben.


fws24: Herr Metzger, wir danken für das Gespräch.


Steckbrief Erwin Metzger:

Jahrgang:                    1979

Beruf:                          Dachdecker- und  Klempnermeister

Spieler bei:                  Guckheim, Westerburg, Hundsangen

Erfolge:                       Aufstieg in die Landesliga mit Eintracht Guckheim

Aufstieg in die B-Klasse mit SG Guckheim/Kölbingen

Trainerstationen:         Bambini Guckheim

Im Verein seit:             25 Jahren

Lieblingsverein:           Eintracht Frankfurt

Vereinsportal ]  [ Impressum ]  [ Datenschutzerklärung ]  [ Kontakt ]   © 2018 SV Hundsangen
[ Letzte Änderung: 21. Juni 2018 ]