SV Hundsangen e.V. 1926

09.07.2016, 12:07, Alter: 2 Jahre
Kategorie: Fussball

Flüchtling darf nicht spielen in Guckheim

Von: rhein zeitung

 

 

 

Vertrag hindert Flüchtling am Fußballspielen

Kreisliga SG Guckheim drängt auf Freigabe für Syrer – Verbände und Politik sind machtlos

 

 

Für viele Flüchtlinge ist Fußballspielen eine willkommene Abwechslung zum tristen Alltag. Die meisten vertreiben sich damit einfach nur die Zeit, talentiertere versuchen in Mannschaften unterzukommen und an einem geregelten Spielbetrieb teilzunehmen. Jedoch die Allerwenigsten schreiben ein Fußballmärchen, so wie etwa Bakery Jatta. Der junge Mann aus Gambia war im vergangenen Jahr aus seiner Heimat geflohen, spielte danach bei verschiedenen Vereinen in Deutschland vor und unterschrieb kürzlich einen Profivertrag beim Hamburger SV – und das, obwohl der 18-Jährige nach eigenen Angaben zuvor noch nie in einem Verein gespielt hatte. A

 

 

Auch Khaled Jnid hat Talent. Der 25-Jährige spielte beim syrischen Erstligisten Al-Karama schon in größeren Stadien und vor größerer Kulisse. Doch so weit wie Jatta will es der syrische Flüchtling in Deutschland gar nicht bringen.

Jnid floh vor rund eineinhalb Jahren aus seiner Heimatstadt Homs, die stark durch den Bürgerkrieg in Syrien betroffen ist. Erst kürzlich erhielt er eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland – ein Meilenstein auf dem Weg in ein geordnetes Leben. Doch ausgerechnet bei seiner Leidenschaft, dem Fußball, hängt ihm die Vergangenheit nach.


Seit einigen Monaten kickt Jnid bei der SG Guckheim/Kölbingen mit und würde zur neuen Saison gerne auch Pflichtspiele für den B-Liga-Aufsteiger bestreiten. Also beantragte Michael Jung, Abteilungsleiter Fußball bei der Eintracht Guckheim, eine Spielberechtigung beim Fußballverband Rheinland. So weit, so üblich. Doch als der FVR anschließend Rücksprache mit dem syrischen Fußballverband nahm, bekam er die Rückmeldung, dass Jnid noch einen gültigen Spielervertrag bei Al-Karama habe, einem Verein aus der Großstadt Homs, der in der syrischen Profiliga spielt. Nach Angaben des Vereins gilt der Kontrakt bis 2017, Jnid selbst aber ist davon überzeugt, dass er schon ein Jahr früher, also bereits am 30. Juni 2016 ausgelaufen ist.

Somit nahm Jung Kontakt mit dem Integrationsbeauftragten des FVR auf. Dieser sah den Fall jedoch nicht innerhalb seines Zuständigkeitsbereichs und verwies Jung an die Passstelle, die ihm aber ebenso wenig weiterhelfen konnte und die Angelegenheit an den Deutschen Fußball-Bund weiterreichte. Dort schilderte Jung die Problematik, dass es sich bei der Vertragslaufzeit um zwei gegensätzliche Aussagen handele. Die Antwort des DFB: Jung solle sich an die Fifa wenden – also an die Spitze des Weltfußballs.


Jung solle dort versuchen, mit Jnids altem Klub eine Vertragsauflösung zu erwirken, infolgedessen Al-Karama ein entsprechendes Formular an den syrischen Fußballverband senden solle, was schließlich die Freigabe zur Folge hätte. Auch Jnid selbst versucht über seinen ehemaligen Trainer mit dem Verein Kontakt aufzunehmen, doch Al-Karama blieb eine Antwort bislang schuldig – was in Anbetracht der Umstände nicht verwunderlich ist. „Die haben da auch andere Probleme“, weiß auch Jung, dass Homs vom Bürgerkrieg in Syrien schwer gezeichnet ist, wenngleich der Spielbetrieb trotz der schwierigen Situation im Land weiterhin aufrecht erhalten wird. So sind für Mitte Juli bereits die nächsten Partien angesetzt. Und trotzdem: Jung wünscht sich vor allem von Seiten der Verbände mehr Unterstützung: „Wir sprechen alle immer davon, wie wichtig Integration ist. Und nun soll ein Junge, der mit Anfang 20 irgendein Papier unterschrieben hat, das niemandem mehr nützt, nicht hier spielen dürfen?“

Auch die Politik scheint machtlos. Auf Nachfrage von Jung bei Ralf Seekatz, Mitglied des Westerwälder Kreistages und Landtagsabgeordneter von Rheinland-Pfalz, setzte dieser sich mit Integrationsministerin Anne Spiegel in Verbindung. Die ernüchternde Antwort: „Es gibt keinerlei Handhabe, um Einfluss zu nehmen.“


Zwar hat die Eintracht Guckheim weiterhin Kontakt nach Syrien, doch die Aussichten auf Erfolg scheinen von Tag zu Tag geringer zu werden. „Der Junge will ja nicht Profi werden oder hier Geld mit Fußball verdienen“, sagt Jung. „Er will einfach nur seinem Hobby nachgehen und hier in der Kreisliga kicken.“ Bleibt abzuwarten, ob Khaled Jnid das jemals darf.

 

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