SV Hundsangen e.V. 1926

06.08.2017, 20:38, Alter: 78 Tage
Kategorie: Allgemein

Kampf der EGC Wirges

Von: Marco Rossbach rhein zeitung

Furcht vor der Insolvenz: Der große Kampf der Spvgg EGC Wirges


Oberliga, Rheinlandliga, Bezirksliga: Was aus rein sportlichen Gesichtspunkten nach freiem Fall klingt, erscheint nebensächlich, wenn man den Ausführungen von Achim Wussow folgt.

Der Vorsitzende der Spvgg EGC Wirges macht das, was im Amateurfußball eigentlich verpönt ist: Er spricht über Geld. Besser gesagt: Er spricht über Geld, das nicht da ist. Und er spricht über die Folgen für einen der renommiertesten Vereine im Fußballverband Rheinland, der durch akute Finanznöte an den Rande des Abgrunds geraten war. „Das alles ist nicht so einfach.“ So beginnen Geschichten, die selten gut enden. Es sind auch die Worte, mit denen Achim Wussow in das Gespräch über seinen Verein, die Spvgg EGC Wirges, einsteigt. Und er lässt dieser Eröffnung den wenig hoffnungsvollen zweiten Satz folgen: „Im März 2016 sah es ganz düster aus.“


In jener Zeit, in der der Vorsitzende mit dem Entschluss, auf die erneute Meldung für die Fußball-Oberliga zu verzichten, für jede Menge Gesprächsstoff und viele Anfeindungen sorgte, drückten den Verein dicke Schulden. Sponsorengelder in fünfstelliger Höhe seien damals ausgeblieben, erinnert sich der Vorsitzende. „Im Mai 2016 sahen wir uns dann Forderungen in Höhe von 40.000 Euro gegenüber“, ergänzt er. „Und auf dem Konto hatten wir gerade mal 500.“


Steuerprüfung, Nachzahlung, Sozialabgaben, Berufsgenossenschaft: Es war das volle Programm an Horrorszenarien, das in diesen bewegten Wochen auf die Wirgeser zurollte. Der Sport? Wurde zur Nebensache. „Es war klar, dass 90 Prozent der ersten Mannschaft nicht zu halten waren“, blickt Wussow zurück. Im Mai 2016 standen ihm, seinem Stellvertreter Ingo Kiesel, der auch als Sportlicher Leiter fungiert, und Geschäftsführer Frank Schenkelberg gerade mal 13 Spieler zur Verfügung. „Damit haben wir versucht, was zu machen.“
Die Rechnung, mit den Resten des alten Kaders, ein paar Neuen und insgesamt 33 A-Jugendlichen eine erste, eine zweite Mannschaft und ein A-Jugendteam zu basteln, ging letztlich schief. Nach wenigen Spielen zog der Verein die Reserve zurück und kam damit dem Verband zuvor. Das Problem: Die A-Jugendlichen wollten A-Jugend spielen – und nicht bei den Senioren. „Einige waren sich zu fein, in der Bezirksliga zu kicken – schließlich kamen sie ja aus der Regionalliga“, klingt bei Ingo Kiesel immer noch Wut durch. Und auch Richtung Verband schießen die Wirgeser. „Wir hatten drei Syrer, die für uns spielen wollten“, sagt Frank Schenkelberg. „Doch das Verfahren zog sich immer mehr in die Länge. In der Woche nach der Abmeldung kam dann die Spielberechtigung. Da war es zu spät.“ Auch mit monatelangem Abstand sind sich die Verantwortlichen sicher: „Drei Wochen länger, dann hätten wir die zweite Mannschaft durch die Saison gebracht.“


So aber drohten damals die Strafen für die Abmeldung zum Todesurteil für den verschuldeten Verein zu werden. Zur Spruchkammersitzung habe er alle Unterlagen, die zur Verfügung standen, mitgenommen und somit alles offengelegt, was offenzulegen war, sagt Ingo Kiesel. „Ich habe die Sachen mit den Worten abgegeben: Ihr entscheidet heute Abend, ob es die EGC weiter gibt oder nicht.“


Die Strafen fielen weniger drakonisch aus als befürchtet. Dennoch ging dem Führungstrio eine Frage immer wieder durch den Kopf: Führt noch ein Weg an der Insolvenz vorbei? „Wir haben uns gesagt: Wir versuchen es“, sagen Wussow und Kiesel rückblickend. In den Krümeln suchten sie nach Einsparmöglichkeiten, es ging nicht um Hunderter und Tausender, es ging, so klingt es durch, um jeden einzelnen Euro. „Alte Sponsoren haben geholfen, neue konnten gefunden werden“, sagt der EGC-Vorsitzende, der vor der Saison 2017/2018 berichtet: „Alle Forderungen sind beglichen, alle Stellen haben jetzt wieder Einzugsermächtigungen – und können auch bedient werden.“ Zudem wird in Wirges auch noch Fußball gespielt. Nicht mehr in der Oberliga, nicht in der Rheinlandliga. Aber in der Bezirksliga, immerhin.
An jeder Schraube gedreht


Wer 40000 Euro an Verbindlichkeiten vor der Brust hat, der braucht vor allem eines: Gönner, die ohne lange zu zögern in die Tasche greifen. Doch in dem „Riesenpuzzle“, wie Achim Wussow es nennt, das zur Rettung der Spvgg EGC Wirges zusammenzusetzen war, hätten auch großzügige Zuwendungen alleine nicht gereicht, wie der Vorsitzende sagt. Zwei weitere wichtige Bausteine: Ursachensuche und Verhandlungen. Bei den Sponsoren sei sicher einiges schief gelaufen. „Und im Jugendbereich wurde sehr viel investiert“, sagt Wussow. „Das hätte man gegebenenfalls früher zurückfahren müssen.“ Letztlich übernahm Wussow auch die Finanzen, um ein Gesamtbild der Lage zu erhalten. Und dann wurden Klinken geputzt. Bei der Stadt, bei der Verbandsgemeinde, eigentlich überall dort, wo Einsparpotenzial gesehen wurde. Mit Erfolg, wie die Verantwortlichen betonen. So zahlt die EGC nicht mehr sämtliche Nebenkosten für Vereinsheim und Stadion, wie es aus guten Zeiten Usus war. Auch die Beteiligung am Kunstrasen fällt nicht mehr so schwer ins Gewicht. Die noch ausstehenden 50?40000 Euro können zinslos über 20 Jahre gezahlt werden.

„Wir haben an jeder Schraube gedreht“, sagt Achim Wussow. „Aber jetzt ist Ruhe eingekehrt.“

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[ Letzte Änderung: 24. Oktober 2017 ]