SV Hundsangen e.V. 1926

26.10.2016, 07:36, Alter: 2 Jahre
Kategorie: Allgemein

Khaled Jnid darf endlich spielen

Von: rhein zeitung

 

 

 

Guckheimer Flüchtling darf endlich spielen

 Vertrag mit Verein in Syrien wurde aufgelöst – Michael Jung fordert Änderung der Statuten

 

von  Andreas Hundhammer

 

Freistoß. Ein Guckheimer Spieler legt sich den Ball rund 25 Meter seitlicher Position vor dem gegnerischen Tor zurecht. Die anschließende Hereingabe landet bei Khaled Jnid, der den Ball mit einer gefühlvollen Berührung seines Fußes über den Torwart hebt – 2:0. Ein Klassetor. Am Ende schlägt die SG Guckheim/Kölbingen den Spitzenreiter der Kreisliga B 1 Ww/Sieg, die SG Mörlen, glatt mit 3:0. Doch das ist nicht das Wichtigste an diesem Tag, an dem das Warten für Khaled Jnid endlich ein Ende hat. Nach monatelangem Hin und Her darf der Syrer endlich das tun, was ihm seit seiner Flucht aus der Heimat verwehrt geblieben war: ein Fußballspiel bestreiten.

 

Denn bislang hatte ihm dafür schlicht die Erlaubnis gefehlt, die ihm aufgrund eines bestehenden Spielervertrags in Syrien nicht ausgestellt werden durfte (wir berichteten). Die einzige Möglichkeit, noch vor Ablauf des Kontrakts im Oktober 2017 offizielle Spiele bestreiten zu können, bestand nunmehr in einer Vertragsauflösung – um die sich Jnid samt deren Übersetzung letztlich selbst kümmerte. „Da hat man fast schon ein schlechtes Gewissen, weil man dem Jungen nicht helfen konnte“, meint Michael Jung, Abteilungsleiter Fußball bei der Eintracht Guckheim. Dabei war er es, der im ständigen Austausch mit den Verbänden stand und mit Beharrlichkeit für eine Beschleunigung des komplizierten Prozesses sorgte.

 

Wie komplex der Fall Khaled Jnid tatsächlich war, verdeutlichen folgende Zahlen: DFB-Angaben zufolge beläuft sich die Menge an internationalen Vereinswechseln nach Deutschland in diesem Jahr auf über 50 000, von denen rund 30 000 Flüchtlinge die absolute Mehrheit bilden. Im Falle eines bestehenden Vertrags gilt für die abgebenden Vereine eine 30-Tage-Frist, in der sie ein Veto einlegen können. Tun sie das nicht, ist der wechselnde Spieler sofort spielberechtigt. Wie Walter Sitorius von der Abteilung Internationale Transfers beim DFB Michael Jung mitteilte, sei dieses Szenario beim Wechsel eines Flüchtlings nicht einmal vorgekommen – mit Ausnahme Khaled Jnids.

„Rechtlich gesehen hat sicherlich niemand etwas falsch gemacht“, sieht Jung ein, der jedoch in moralischer Hinsicht Kritik an den Verbänden übt. „Gerade dann, wenn so ein neuer Fall auftritt, mache ich mir doch Gedanken darüber, wie ich ihn lösen kann“, findet er. „Ich habe aber den Eindruck, dass der Fall immer nur weitergeschoben wurde.“

 

Immerhin ist die Zeit des Leidens für Khaled Jnid nun vorbei – was nicht übertrieben formuliert ist, wenn man bedenkt, dass der Syrer eigens einen Erste-Hilfe-Lehrgang sausen ließ, nur um am vergangenen Samstag sein erstes Spiel zu bestreiten. Im Gegensatz dazu scheint er auf seine Fahrerlaubnis also noch einige Zeit warten zu können. „Da sieht man mal, welchen Stellenwert der Fußball bei jungen Menschen einnimmt, die so viel Schlimmes erlebt haben“, bringt es Jung auf den Punkt und erhofft sich, dass beim nächsten ähnlichen Fall die Statuten geändert sind, damit Jungs wie Khaled Jnid so schnell wie möglich Fußball spielen können. „Wenn ich die Freude in seinem Gesicht sehe, dann ist irgendein Vertrag doch absolut irrelevant.“

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