SV Hundsangen e.V. 1926

11.01.2018, 06:54, Alter: 10 Tage
Kategorie: Allgemein

Kierdorf neuer Trainer in Hadamar

Von: Andre Bethke

Interview mit dem neuen Cheftrainer der Hessenliga Mannschaft von RW Hadamar:


Quelle: www.mittelhessen.de 
von Andre Bethke

 

Letztlich war es eine konsequente und menschlich richtige Entscheidung, den eigenen Mann zu befördern und die Nachfolge von Florian Dempewolf als Trainer des Hessenliga-Teams des SV Hadamar mit Torsten Kierdorf zu regeln.

Immerhin leistete der 41-jährige B-Lizenz-Inhaber als Coach der Gruppenliga-Mannschaft vorzügliche Arbeit und ist als gebürtiger Niederhadamarer dem Verein mit Leib und Seele verbunden. So brauchten die Verantwortlichen des SV Rot-Weiß auch nicht lange, um sich auf Kierdorf festzulegen, auch wenn Namen wie Jürgen Kohler kursierten. Der Weltmeister von 1990 soll sich dem Vernehmen nach selbst ins Gespräch gebracht haben. Ein paar Tage Ruhe hat Torsten Kierdorf nun noch, ehe sich der Versicherungskaufmann mit dem Trainingsstart am 20. Januar der neuen Herausforderung stellt. Das Tageblatt sprach vor dem Aufgalopp mit dem neuen Cheftrainer über seine Ziele, seine Art Fußball spielen zu lassen und die Angst vor dem Scheitern.

Hallo Torsten, warst du überrascht oder hattest du es erwartet, dass du nun Nachfolger von Florian Dempewolf bist?

Kierdorf: Dass ich dabei bin im Topf der Kandidaten, habe ich erwartet, aber ich hatte es nicht gefordert. Kurz vor Weihnachten hatte ich dann ein sehr gutes Gespräch mit den Verantwortlichen. Ein paar Tage später habe ich die Entscheidung dann auch schon mitgeteilt bekommen. Ich habe gute Arbeit geleistet und wurde dafür belohnt. Ich bin froh und dankbar, dass ich die Chance bekommen habe. Das macht mich stolz. Immerhin ist das mein Heimatverein.

Dein Vorgänger hat große Fußspuren hinterlassen. Was muss passieren, dass du am Ende der Runde nicht als Verlierer da stehst?

Kierdorf: Der Flo hat sehr gute Arbeit geleistet. Wir haben aber auch gute Jungs, sowohl fußballerisch als auch menschlich. Ich muss deshalb nicht viel verändern. Ich sehe mich da auch gar nicht im Vordergrund. Die Mannschaft steht im Fokus. Ich will in Ruhe meine Arbeit machen und natürlich Siege einfahren. Ich mache mir keine Gedanken, dass ich was zu verlieren habe und habe deshalb auch keine Angst, als Verlierer dazustehen. Unter dem Strich ist es eine Chance. Die will ich mit meiner Art, Fußball spielen zu lassen, nutzen.

Wie sieht denn deine Art, Fußball spielen zu lassen, aus?

Kierdorf: Ich bin ein Trainer, der spielen will, am besten von hinten raus. Wir wollen ins Pressing gehen, offensiv spielen. Das war ja unter Flo nicht viel anders. Ich will, dass meine Spieler auch mal ins Dribbling gehen und erlaube dann auch Fehler. Ich verlange viel, vor allem in der Laufarbeit. Fußball muss aber vor allem Spaß machen. Wie gesagt, letztlich wird sich da nicht viel verändern.

Wie gefällt dir die Konstellation mit deinem spielenden Co-Trainer Sven Kunisch?

Kierdorf: Diese Konstellation finde ich klasse. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Sven ist ein guter Typ. Ich habe das Gefühl, dass es auch menschlich passt. Das ist wichtig. Außerdem hat er ja auch einen Trainerschein und bereits erste Erfahrungen beim KSV Klein-Karben gesammelt. Sven ist fachlich top. Es war eine sehr gute Entscheidung des Vereins. Aber wir stehen ja sowieso nicht alleine da. Wir haben zwei Torwarttrainer, Betreuer und einen guten Physio. Ich sehe uns als Team.

Welche Ziele hast du mit der Mannschaft?

Kierdorf: Das Hauptziel ist natürlich, so viele Punkte zu holen wie möglich. Wir versuchen schon, den einstelligen Platz zu halten. Ob wir dann Siebter bleiben oder Achter werden, ist nicht so wichtig. Ich bin aber auch einer, der von Spiel zu Spiel zu denkt. Sehr wichtig für mich ist außerdem, junge Spieler weiterzuentwickeln.

Das hat ja zuletzt ganz gut geklappt. Gerade in dieser Runde haben immer mal wieder Spieler aus der zweiten Mannschaft Einsatzzeiten im Hessenliga-Team bekommen. Welche Jungs siehst du da vor allem auf einem guten Weg?

Kierdorf: Mohamed Zouaoui ist ein sehr gutes Beispiel, dass es ein junger Spieler von der Gruppenliga in die Hessenliga schaffen kann. Auch Cagri Yigit, Yuki Noguchi und Tristan Burggraf hatten in dieser Saison schon ihre Einsatzzeiten. Marc Henkes ist auch so einer, der das Zeug dazu hat. Da gibt es noch so einige. Wir wollen diesen Weg auf jeden Fall so weitergehen. Sascha Merfels wird das als mein Nachfolger als Gruppenliga-Trainer sicher ordentlich machen. Wir werden immer in Kontakt bleiben und ab und an den einen oder anderen hochziehen.

Der SV Hadamar wird weder in Hessenliga noch in Gruppenliga etwas mit dem Abstieg zu tun haben. Das erleichtert die Planungen für die neue Runde. Ein offenes Geheimnis ist, dass Leon Burggraf euch verlassen wird. Spieler wie Robin Reifenberg von der TSG Oberbrechen sind ein Thema. Müsst ihr euch für die neue Runde eher in der Spitze oder in der Breite verstärken?

Kierdorf: Die entscheidende Frage ist ja zunächst, wer geht, wer bleibt. Aber da mache ich mir keine großen Gedanken. Der Verein hat das in den vergangenen Jahr immer sehr gut gemacht. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ein Jann Bangert einmal in Hadamar spielt? Es gibt viele gute junge Spieler in der näheren Umgebung. Denen muss man schmackhaft machen, in Hadamar zu spielen, und ihnen erklären, dass sie auch mal Geduld haben müssen, sich auf die Bank setzen und trotzdem Gas geben. So wie Leon Burggraf, der von der Kreisoberliga durchgestartet. Auch Can Uyanik ist so ein Beispiel. Der Junge kam aus der A-Jugend-Kreisliga und hat jetzt schon neun Spiele in der Gruppenliga gemacht. Insgesamt brauchen wir eine gute Mischung aus gestandenen Spielern und Talenten aus der Region. Das hat der Verein bislang sehr gut hinbekommen und wird es auch wieder schaffen.

Sollte der Schuss für dich nach hinten losgehen, würdest du dann auch wieder ins zweite Glied zurück kehren oder hast du als Trainer den Ehrgeiz, so hoch wie möglich zu kommen?

Kierdorf: Darüber mache ich mir momentan echt keine Gedanken. Ich habe den Ehrgeiz, das zu schaffen. Ich habe viel Zeit für meine Trainerausbildung investiert und will jetzt auch den A-Schein angehen. Da wäre ich doch bescheuert, wenn ich nicht alles daran setzen würde, in der Hessenliga zu bleiben. Es wäre einfach schön, wenn es über eine lange Zeit klappen würde. Am besten natürlich beim SV Hadamar.

Zur Person

Torsten Kierdorf begann das Fußballspielen mit fünf Jahren in den F-Junioren seines Heimatvereins SC Niederhadamar. In der C-Jugend wechselte er zur SG Hoechst, wo er in der Hessenliga kickte und den Sprung in die Hessenauswahl schaffte, für die Kierdorf bis zur A-Jugend über 80 Spiele bestritt.

Nach einer Saison schaffte er den Sprung zum SV Darmstadt 98 unter Trainer Gerhard Kleppinger. Der „Mannebacher“ blieb fünf Jahre am Böllenfalltor und gehörte nach seiner Juniorenzeit auch dem Kader des Regionalliga-Teams an. In der damals dritthöchsten Spielklasse reichte es aber nur zu einem Kurzeinsatz in der Partie bei der Spvgg. Unterhaching. In der Regel kickte Kierdorf für Darmstadt II in der Landesliga Süd.

Als er während seiner Bundeswehrzeit zum SV Bremerhaven ausgeliehen werden sollte, nutzte Torsten Kierdorf die vertraglich vereinbarte Möglichkeit, zu seinem Heimatverein zurück zu wechseln. „Ich hatte für mich erkannt, dass der Zug abgefahren ist und ich kein Profi mehr werde.“ Mit dem SC Niederhadamar stieg der Mittelfeldspieler 1997 in die Bezirksliga auf. Es folgten Wanderjahre bei FCA Niederbrechen (Bezirksoberliga), SV Hundsangen (Rheinlandliga) und SF Eisbachtal (Oberliga), ehe 2001 der erste Wechsel zur damaligen Spvgg. Hadamar in die Bezirksoberliga erfolgte. Nach Erlangung der C-Lizenz übernahm Kierdorf beim TuS Dehrn seine erste Spielertrainerstation. Nach dem Abstieg und nur einer Saison war wieder Schluss. „Da war ich einfach noch zu jung und zu ehrgeizig.“

Zurück beim SC Niederhadamar gelang ihm unter Adem Bülbül der Aufstieg in die Bezirksoberliga, ehe 2010 der zweite Trainerposten beim TuS Waldernbach anstand. Wieder nach nur einer Runde ging es zurück nach Hadamar, nun schon in der Hessenliga als Co-Trainer unter Heiko Weidenfeller, später unter dessen Nachfolger Walter Reitz. Während des Hausbaus trat Kierdorf dann kürzer. In der Zwischenzeit hatte er den B-Schein und die DFB-Elite-Jugendlizenz erworben. 2014 stieg Kierdorf bei der U15 des JFV Dietkirchen/Offheim, als DFB-Stützpunkttrainer und Co-Trainer der Hessenauswahl wieder ins Geschäft ein. Zwei Jahre später folgte er dem Ruf des SV Hadamar und übernahm das Gruppenliga-Team.

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[ Letzte Änderung: 21. Januar 2018 ]