SV Hundsangen e.V. 1926

11.04.2017, 07:00, Alter: 285 Tage
Kategorie: Allgemein

Kurioser Spielabbruch

Von: rhein zeitung

 

 

 

"Ruhe da oben, oder ich lasse die Tribüne räumen"

 

 Ein kurioser Spielabbruch dürfte demnächst die Sportgerichtsbarkeit beschäftigen. Schiedsrichter Heinz Berndt von der DJK Morscheid brach die Partie in der B-Klasse Birkenfeld West zwischen der SG Hoppstädten-Weiersbach II und der TSG Idar-Oberstein auf dem Rasenplatz in Weiersbach zur Überraschung aller in der zweiten Hälfte beim Stand von 0:0 ab. Kurios: Weder die Protagonisten der SG Hoppstädten-Weiersbach noch jene der TSG Idar-Oberstein können genau erklären, wieso. Einig sind sich beide Parteien darin, dass der vorzeitige Abpfiff „vollkommen überzogen“ gewesen sei. „Das war eigentlich ein Witz“, schüttelt TSG-Coach Armin Rösler den Kopf, „das war mit das fairste Spiel in der Saison. Da war überhaupt nichts.“

 

Schiedsrichter Berndt sieht das freilich anders und sagt: „Abgebrochen habe ich unter anderem wegen groben Schiedsrichterbeleidigungen.“ Der Referee stellt klar: „Mit dem Spiel hat das nichts zu tun, aber was von außen kam, das lasse ich mir nicht bieten.“

 

Offensichtlich lag der Referee tatsächlich vor allem mit dem Publikum im Clinch. „Er hat von der ersten Minute an Ärger mit den Zuschauern gehabt und ständig mit ihnen diskutiert“, erzählt Holger Werle, der Trainer der SG Hoppstädten-Weiersbach II. „Die erste Hälfte hat 55 Minuten gedauert.“ Rösler ergänzt: „Er hat mehrmals das Spiel unterbrochen, mit den Zuschauern diskutiert und schließlich auch moniert, dass keine Platzordner da seien.“ Schiri Berndt bestätigt: „Es gab auch keine Platzordnung. Das war nicht okay.“ Die Weiersbacher Verantwortlichen reagierten. „Vier Mann haben dann die gelben Platzordnerjacken angezogen“, berichtet Rösler. NZ-Fotograf Franz Cronenbrock, der zufällig bei der Partie anwesend war, berichtet: „Der Schiedsrichter hat es sich von Anfang an mit allen verscherzt. Zu den Leuten auf der kleinen Tribüne hat er gerufen, 'Ruhe da oben, oder ich lasse die Tribüne räumen!'“

 

Referee Berndt hält dagegen: „Ich habe es nicht nötig, mich so angehen zu lassen. Das ganze Drumherum in Weiersbach war nicht in Ordnung. So arbeitet man nicht mit einem Schiedsrichter“, wettert er und ergänzt zornig: „Ich bin kein daher gelaufener Hund, pfeife seit 30 Jahren. Bei uns im Fußball-Verband Rheinland wäre so etwas nicht möglich. Bei uns herrscht Ordnung.“ Die Beleidigungen, mit denen ihn die Zuschauer bedacht haben sollen, nannte der Schiedsrichter nicht, bis auf eine Ausnahme: „Das für mich schlimmste war, als jemand von außen gerufen hat, dass ich zum Bluttest müsse. Ich weiß von meinem Beruf her, was das bedeutet. Zum Bluttest muss man, wenn man alkoholisiert oder ein Junkie ist“, echauffiert sich Berndt, der als Allgemeinmediziner arbeitet.

 

Laut Fotograf Cronenbrock und TSG-Coach Rösler teilte aber auch der Referee aus. „Beim Weg in die Pause hat er gesagt 'armes Deutschland mit solchen Zuschauern'.

 

Als die Partie nach dem Seitenwechsel wieder begann, schwebte mehrfach das Damoklesschwert Abbruch über der Partie. „Er hat mehrfach mit dem Spielabbruch gedroht“, sagt TSG-Trainer Rösler, und Schiedsrichter Berndt bestätigt das nicht nur, sondern sieht darin sogar ein Zeichen seiner Fairness. „Ich habe den Abbruch mehrfach angedroht“, sagt er. Offenbar wollte der Schiedsrichter auch jenen Zuschauer namentlich genannt wissen, der ihm den Bluttest empfohlen haben soll. „Nur der Trainer hat kooperiert“, nimmt Schiri Berndt Holger Werle aus seiner Generalkritik, um dann aber festzustellen: „Er hat das natürlich nicht mitbekommen, aber sonst hat niemand kooperiert. Ich habe mich an der Nase herumgeführt gefühlt.“

 

Das Fass zum Überlaufen brachte dann schließlich ein Disput mit dem Vereinslinienrichter des SV Weiersbach, Peter Krimm. „Unser Linienrichter hat nach einem Foul an einem unserer Spieler gerufen, „das war eine Gelbe Karte“, schildert Werle. „Danach hat der Schiri gefühlt eine Viertelstunde mit ihm diskutiert und dann abgebrochen.“ Schiedsrichter Berndt sagt: „Der Linienrichter hat zu mir gesagt, dass ich mein Spiel ordentlich pfeifen soll. So etwas kommt ihm überhaupt nicht zu. Er hat nur anzuzeigen, wenn der Ball im Aus ist. Alle anderen Entscheidungen treffe ich.“

Schiedsrichter Berndt brach die Partie also ab. „Er hat gesagt, ich breche ab, und als ich wissen wollte, warum, hat er mir nur gesagt, das gehe mich nichts an“, schildert Rösler. Der TSG-Coach erklärt, vollkommen perplex gewesen zu sein, glaubt aber das Problem des Schiedsrichters erkannt zu haben: „Von der Spielleitung her war das okay, aber er hatte immer ein Ohr draußen. Wobei, von dort kam kaum etwas.“

Laut Rösler und Werle habe auch Patrick Nikodemus, der renommierte Schiedsrichter des SV Weiersbach, den Spielabbruch als ungerechtfertigt und überzogen angesehen und sogar noch versucht, den Referee aus Kleinich umzustimmen. Vergebens. Nikodemus wollte sich allerdings auf NZ-Anfrage mit Verweis auf „ein schwebendes Verfahren“ nicht dazu äußern.

 

Letztlich blieb der SG Hoppstädten-Weiersbach nur noch eines übrig, nämlich dem Referee sicheres Geleit zu seinem Auto zu geben, was die Verantwortlichen auch taten und was vom Schiedsrichter auch ausdrücklich gelobt wurde.

 

Ob der Spielabbruch nun gerechtfertigt war, muss die Sportgerichtsbarkeit klären. Wenn nein, muss das Spiel zwingend wiederholt werden. Bei der SG Hoppstädten-Weiersbach und der TSG Idar-Oberstein geht man davon jedenfalls aus. „Keiner von uns kann für diesen Spielabbruch etwas“, erklärt SG-Coach Werle und stellt schließlich kopfschüttelnd fest: „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt.“

Vereinsportal ]  [ Impressum ]  [ Kontakt ]   © 2018 SV Hundsangen
[ Letzte Änderung: 21. Januar 2018 ]