SV Hundsangen e.V. 1926

30.11.2017, 07:37, Alter: 48 Tage
Kategorie: Allgemein

rechtliche Lage bei Pyrotechnik

Von: rhein zeitung

                                            

Weise: Wir wollen keine Spaßbremsen sein

 

Wie ist die rechtliche Lage beim Einsatz von Bengalos, Pyrotechnik und Co.? – Fall in der Kreisliga A Rhein-Lahn

Der Abbruch des Spiels zwischen der TuS Nassovia Nassau und dem VfL Altendiez in der Fußball-Kreisliga A Rhein-Lahn hat im Nachbarkreis für eine lebhafte Diskussion gesorgt. Beim Stand von 2:3 aus Sicht der Nassauer hatten Zuschauer brennbare Substanzen gezündet, der Unparteiische brach die Partie ab, obwohl schon die letzte Minute lief. Ist es übertrieben, schon wegen ein bisschen bunten Nebels die Reißleine zu ziehen? Oder ist eine Nebelkerze auf nur die Vorstufe zu einer Pyro-Gefahr auch auf unterster Ebene? Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland (FVR), spricht über die juristischen Aspekte der Problematik.

 

Herr Weise, wo hört für den Juristen auf oder neben dem Sportplatz der Spaß auf und wo beginnt der sportrechtlich relevante Bereich?

Wenn wir über Pyrotechnik sprechen, müssen wir feststellen: Die brauchen wir nicht, um auf dem Platz gute Stimmung zu erzeugen. Und ganz nebenbei: Das Zünden von Pyrotechnik ist ja auch schon nach den allgemeinen Gesetzen außerhalb der Sportgerichtsbarkeit verboten; der Verein darf das also gar nicht zulassen, selbst wenn er wollte. Der Gebrauch ist rechtlich schlichtweg nicht zulässig – ob am Sportplatz oder sonst wo. Durch die hohen Temperaturen, die dabei entstehen, kann es zu Gefahren für Zuschauer und Spieler kommen, auch die immer weiter verbreiteten Kunstrasenplätze können leicht beschädigt werden. Und es kann natürlich nicht hingenommen werden, dass es durch Rauchtöpfe oder Leuchtraketen zu Spielunterbrechungen oder gar zu Spielabbrüchen kommt.

Aber was ist schlimm daran, wenn auch ein Platz in einer unteren Liga kurzzeitig mal durch Rauch und Nebel in die Farben des einen oder des anderen Vereins gehüllt ist?

Zunächst: Aus den genannten Gründen hat Pyro auf den Sportplätzen grundsätzlich nichts zu suchen. Ich hätte als Zuschauer auch keine Lust, in diesem Rauch zu stehen. Ganz gleich, ob es die Farben meines Vereins sind oder nicht und auch egal, ob es in großen Stadien ist oder bei einem Kreisligaspiel. Die Erfahrung zeigt auch: Wenn es erst mal nur zwei oder drei sind, die etwas zünden oder abschießen, und ich als Verein nichts dagegen unternehme, dann werden es dadurch nicht weniger. Im Gegenteil.

Welchen Unterschied macht es, ob es sich um farbigen Rauch handelt oder ob brennende Gegenstände wie Bengalos oder sonstige Pyrotechnik im Gebrauch sind?

Rein rechtlich macht das keinen Unterschied, in der Bewertung des einzelnen Falls aber natürlich schon. Da muss man sehen, ob es ein Rauchtopf war oder der massive Einsatz von Leuchtraketen. Es kommt hier auf den Einzelfall an. Den Sportgerichten steht hier ein breites Spektrum von Ahndungsmöglichkeiten zur Verfügung, von abgestuften Geldstrafen bis hin zu Platzsperren. Grundsätzlich wollen wir Juristen ja auch keine Spielverderber oder Spaßbremsen sein, die alles verbieten. Aber diese Dinge haben da nichts zu suchen.

Was haben Vereine zu beachten?

Ganz klar: Vereine müssen die Verwendung von Pyrotechnik und ähnlichem nach Möglichkeit verhindern. Aber natürlich kann in unteren Klassen keine Einlasskontrolle wie im Stadion erfolgen, sodass jeder Zuschauer theoretisch reichlich Dinge mitbringen kann. Doch wenn Gebrauch davon gemacht wird, ist das sofort zu unterbinden. In höheren Klassen gibt es dann Durchsagen, in unteren Ligen ist es wichtig, den vorgeschriebenen Ordnungsdienst vorzuhalten, um sofort einzuschreiten zu können. Wichtig ist auch, die „Täter“ zu identifizieren, und zwar schon im eigenen Interesse des Vereins. Denn der Verein kann den Geldbetrag, zu dem er vom Sportgericht verurteilt wurde, vom Verursacher später zurückholen – im Wege des Regresses.

Welche Strafen drohen den Vereinen oder auch den handelnden Personen bei entsprechenden Vergehen?

Die Strafen ergeben sich aus der Strafordnung; der Strafrahmen reicht von 30 bis 1000 Euro, wobei wir in den unteren Ligen natürlich nie das Höchstmaß ansetzen. Bei einem ersten Vergehen können wir von Strafen auch absehen; große Mengen oder erhebliche Gefährdungen sowie Wiederholungen wirken sich aber erhöhend auf das Strafmaß aus. Es kommt also immer auf den Einzelfall an.

Ist immer der gastgebende Verein verantwortlich?

Nein. Ganz klar nicht. Jeder Verein haftet für das Verhalten seiner Fans, ganz gleich, ob Gastgeber oder Gast. Kommt es zu Vorfällen bei den Gästen, kann auch der Heimverein zusätzlich dann bestraft werden, wenn er keinen entsprechenden Ordnungsdienst hat und deshalb nicht sofort eingeschritten ist.

Das Geschehen im FVR spielt sich zwischen Regionalliga und Kreisliga D ab. Inwiefern unterscheiden Sie zwischen den Spielklassen?

Rechtlich macht das auch hier keinen Unterschied, im Einzelfall unterscheiden wir aber schon.

Wird da in unteren Ligen nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wenn Jungs mit Nebelkerzen behandelt werden wie Straftäter?

Ein Verfahren wird in der Regel aufgrund eines entsprechenden Berichts des Schiedsrichters eingeleitet, auch dann, wenn es sich nur um Buben handelt, die ihren Rauchtopf aufstellen. Bleibt es bei einer oder zwei Nebelkerzen, werden sie natürlich nicht wie Straftäter behandelt. So etwas lässt sich von einem Verein in der Kreisliga ja auch kaum verhindern – er muss aber dann sofort reagieren. Wenn das einmalig so ist, bin ich der Letzte, der sagt, wir brauchen jetzt direkt und in jedem Fall eine Strafe. Wie gesagt, wir können je nach Einzelfall abgestuft und angemessen reagieren.

 

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