SV Hundsangen e.V. 1926

30.11.2011, 17:40, Alter: 6 Jahre
Kategorie: Allgemein

wird Basibüyük aufgeben?

Von: rhein zeitung

Die Wege der Gerichtsbarkeit, die es im Fußball für ihn gibt, hat der langjährige Oberliga-Schiedsrichter und ehemalige Schiedsrichterobmann des Kreises Rhein-Lahn bis zum Ende beschritten. Doch das Gefühl, selbst am Ende angekommen zu sein, vermittelt Aslan Basibüyük auch nach der Verurteilung durch die Verbandsspruchkammer (acht Monate Sperre) und der jüngsten Niederlage vor dem Ständigen Schiedsgericht im Fußball-Verband Rheinland (FVR) nicht. Zielstrebig war er immer - und daran haben auch die vergangenen Monate, in denen er öffentlich in der Kritik gestanden hat, nichts geändert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum (tiefen) Fall des 35-jährigen Unparteiischen, zur Situation im Problemkreis Rhein-Lahn und zur Rolle des Verbandes:



Seit wann gibt's Zoff im Fußballkreis Rhein-Lahn?

Aslan Basibüyük hat als junger Schiedsrichter und Integrationsbeauftragter gute Arbeit geleistet, die geschätzt wurde und mit der man sich im Kreis wie im Verband auch gerne geschmückt hat. 2009 wurde er zum Kreisschiedsrichterobmann gewählt - und damit sind die Probleme gekommen. Günther Weck, der Kreisvorsitzende Rhein-Lahn, ist alles andere als ein Freund des engagierten, aber unbequemen Schiedsrichters, der als Obmann auch Mitglied des geschäftsführenden Vorstands im Kreis Rhein-Lahn wurde. Basibüyük hat viele Fragen gestellt, um für das Schiedsrichterwesen das Optimum (oder manchmal auch zu viel) herauszuholen, hat aber nicht immer Antworten bekommen. Wie er im Verlauf der Verhandlung vor dem Schiedsgericht beteuerte, wurde ihm zum Beispiel seit 2009 nie Einblick in die Finanzen des Kreises Rhein-Lahn gewährt.



Warum darf Basibüyük acht Monate keine Funktion ausüben?

Die Spruchkammer des FVR hat ihn wegen pflichtwidrigen Verhaltens in drei Fällen schuldig gesprochen. Er hat Interna aus einer Sitzung des Kreisvorstands zwei Tage später per Newsletter an die Mitglieder der Schiedsrichtervereinigung geschickt. Unter anderem, so Basibüyük, sei er in dieser Sitzung zum Rücktritt gedrängt worden. Zudem hat Basibüyük den Hinweis eines anderen Schiedsrichters über die versuchte Manipulation des Kreisligaspiels zwischen dem FC Lahnstein '06 und der TuS Hahnstätten II nicht gemeldet. Der dritte Punkt: Basibüyük, Obmann und Vorsitzender des Fördervereins der Schiedsrichter in Personalunion, hat bei den Vereinen um Spenden gebeten und von der Zahlung die Förderung der Unparteiischen der jeweiligen Vereine abhängig gemacht.



Warum hat Basibüyük das Ständige Schiedsgericht angerufen, um die Sperre aufzuheben?

Eine Folge der monatelangen Querelen ist, dass der Kreisvorsitzende Günther Weck - wohl auch auf Drängen des Verbandes mit dem Präsidenten Walter Desch an der Spitze - am Ende des Jahres vorzeitig von seinem Amt zurücktritt. Dadurch sind Neuwahlen bei einem Kreistag notwendig, der, statt wie üblich nach der Saison, im Januar stattfinden soll - also noch in der Zeit der Sperre des ehemaligen Kreisschiedsrichterobmanns. Basibüyük ist im Januar nicht wählbar, die Sperre als Obmann verlängert sich für ihn damit de facto um weitere drei Jahre, denn erst dann wird es unter normalen Umständen den nächsten regulären Kreistag geben



Wie hat das Ständige Schiedsgericht argumentiert?

Der erfahrene Jurist Dr. Joachim Vonnahme, der schon in Terroristenprozessen Recht gesprochen hat, zeigte viel Verständnis für den aus der Spur gelaufenen Unparteiischen, war bemüht, die Parteien von einem Vergleich zu überzeugen. In der Sache stellte sich der Vorsitzende des Schiedsgerichts aber auf die Seite des FVR: Die Pflichtwidrigkeiten sahen Vonnahme und seine Beisitzer als erfüllt an, die Strafe als hoch, aber nicht übermäßig hoch. Deshalb wurde der Antrag des Klägers abgelehnt. Als Basibüyük am Ende der Verhandlung in Weißenthurm sein Schlusswort sprach, stellte Vonnahme eine Frage in den Raum, die sich wohl viele Beobachter in den vergangenen Monaten gestellt haben: "Herr Basibüyük, warum geht es immer nur um Sie?"



Welche Rolle hat der Fußball-Verband Rheinland bis jetzt gespielt?

Der FVR hat sein Ziel erreicht, der unbequeme, teils schwierige Funktionär ist auf Eis gelegt. Während Rechtswart Norbert Weise vor einigen Wochen bei einer Informationsveranstaltung von Kreis und Verband in Nassau noch leichtes Spiel hatte, war das Präsidiumsmitglied in der Verhandlung vor dem Schiedsgericht gefordert. Auffällig ist, dass im Verbandsorgan "Fußball im Rheinland" mehrfach über den engagierten Schiedsrichter berichtet wurde. Zudem hat der Verband Basibüyük mehrfach geehrt. Zuletzt wurde dem 35-Jährigen - obwohl der Streit im Rhein-Lahn-Kreis längst entfacht war - im monatlichen Wettbewerb "Fair ist mehr" eine Urkunde mitsamt Begleitschreiben (unterschrieben von Verbands-Vizepräsident Josef Hens) zugesandt. Die Bedeutung versuchten Weise und FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch in Weißenthurm zu relativieren, dabei boten beide ein schwaches Bild. Bereits im März dieses Jahres hatte der Verband versucht, in einem Gespräch die zerstrittenen Parteien auf Kurs zu bringen - ohne Erfolg. Danach war klar, dass perspektivisch nicht nur Basibüyük aus dem Verkehr genommen werden muss, sondern auch der nicht unumstrittene Günther Weck. Beide Ziele sind erreicht.



Wird Basibüyük aufgeben?

Das ist nicht zu erwarten. Der 35-Jährige will nicht nur zurück an die Pfeife, sondern strebt auch zurück ins Amt. Im Kreise seiner Unterstützer, zu denen mit dem langjährigen Westerwälder Schiedsrichterobmann Winfried Gerz einer der größten Rivalen Walter Deschs gehört, werden eifrig Pläne geschmiedet, wie Basibüyük schon vor dem übernächsten Kreistag im Jahr 2015 wieder Chef der Rhein-Lahn-Schiedsrichter werden könnte. Auch denkbar: eine Kandidatur (gegen Präsident Walter Desch?) beim Verbandstag 2013.



Was wird der Verband tun?

Im Kreis des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger soll endlich wieder Ruhe einkehren. Dafür muss ein neuer Vorstand her, möglichst besetzt mit Leuten, die "unbelastet" sind. Einen Kreisvorsitzenden haben die FVR-Verantwortlichen schon ins Auge gefasst (der bislang im Jugendbereich aktive Oliver Stefan, TuS Gückingen), fix ist aber noch nichts.

 

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