SV Hundsangen e.V. 1926

23.11.2017, 06:11, Alter: 242 Tage
Kategorie: Allgemein

Wo hört der Spaß auf?

Von: rhein zeitung

                                      

Wenn's in der Kreisliga brennt: Wo hört der Spaß auf?

Nach dem jüngsten Spielabbruch in Nassau stellen sich viele Fragen – Warum nicht nur den Vereinen Strafen drohen

Von unseren Redakteuren Stefan Nink und Marco Rosbach

Eigentlich war alles gelaufen. Der VfL Altendiez führte bei der TuS Nassovia Nassau mit 3:2, in der Partie der Fußball-Kreisliga A Rhein-Lahn lief die 90. Minute. Abpfiff, Bierchen, Dusche, heimfahren, Feierabend – das wäre der Normalfall gewesen. Doch was folgte, war nicht normal. Wobei es noch nicht mal um das Geschehen auf dem Platz ging. Auf den Zuschauerrängen wurden Bengalos gezündet, obendrein gab's wohl Beleidigungen in Richtung Schiedsrichter. Der zögerte nicht lange, 90. Minute hin oder her. Timo Homilius forderte den Heimverein auf, das feurige Treiben zu beenden. Als dies nicht seinen Vorgaben entsprechend geschah, griff der Unparteiische aus Weinähr zur Pfeife und setzte dem unsportlichen Geschehen ein Ende.

Spielabbruch durch Pyrotechnik: Ist damit eines der leidigen Themen des großen Fußballs an der kickenden Basis angekommen? Und was ist eigentlich, wenn's in der Kreisliga brennt? Wo fängt lustig an und wo hört der Spaß auf?

Die Antworten auf die im wahrsten Sinne des Wortes brennenden Fragen zu dem Thema:

Was sagen die Betroffenen?

Bei der TuS Nassovia Nassau hielten sich die Verantwortlichen nach dem Spiel deutlich zurück. Wen wundert's, standen doch nicht Vorstand oder Spieler mit brennenden Bengalos auf den Rängen, sondern so genannte Fans. Inzwischen hat der Verein eine offizielle Stellungnahme abgegeben – in schriftlicher Form. Darin heißt es: „Der Vorstand und die 1. Mannschaft der TuS Nassovia Nassau distanzieren sich hiermit vehement von den Chaoten, die den Spielabbruch gegen den VfL Altendiez provoziert haben. Der Verein wird sich vorbehalten, gegen solche Aktionen wie Bengalos zünden – so geschehen beim gestrigen A-Klassenspiel – vorzugehen. Von Vereinsseite wird es dazu keine weitere öffentliche Stellungnahme geben, da es sich hierbei um ein schwebendes Verfahren der Kreisspruchkammer handelt.“

Bernd Moos, der Trainer des VfL Altendiez, schildert die Vorfälle aus seiner Sicht wie folgt: „Wir waren schon in der Nachspielzeit, als vier Leute neben dem Platz mit einer Rauchmaschine Pyrotechnik in verschiedenen Farben abfackelten. Als der Rauch sich verzogen hatte, fingen diese Leute an, den Schiedsrichter anzupöbeln und zu bedrohen. Daraufhin hat er das Spiel dann abgebrochen.“ Moos hofft, dass im Sinne des Sports entschieden wird und seine zum Zeitpunkt des Abbruchs mit 3:2 in Führung liegende Mannschaft die Punkte am Grünen Tisch zugesprochen bekommt. Würde die Spruchkammer hingegen auf Neuansetzung entscheiden, wäre das „fatal“, wie der Altendiezer Trainer sagt. „Denn wenn so etwas Schule macht, ist es ja ganz leicht, zu einer Wiederholung eines Spiels zu kommen. Und das ist dann meines Erachtens Wettbewerbsverzerrung. Aber wir müssen es ohnehin nehmen, wie es kommt.“

Gab es schon ähnliche Fälle?

„So extrem war es noch nicht“, sagt Dirk Huster, selbst langjähriger Schiedsrichter und zugleich Kreissachbearbeiter. Bei Spielen der SG Bogel/Reitzenhain/Bornich habe es schon Vorfälle gegeben, „aber nicht während des Spiels und nicht direkt am Platz“, wie Huster betont. „Vor den Kreispokal-Endspielen haben wir die Vereine diesmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Pyrotechnik oder das Abbrennen von Bengalos untersagt ist.“ Einem „Fan“ seien auch schon entsprechende Utensilien abgenommen worden, weiß Huster.

Wie stellt sich die Situation im Fußballverband Rheinland dar?

„Von Fällen in der Kreisliga weiß ich auf Anhieb nichts“, sagt Bernd Schneider, der Spielausschussvorsitzende des FVR. „In der Regel ist das ein Phänomen, das sich bei uns im Verbandsgebiet auf TuS Koblenz und Eintracht Trier beschränkt.“ Deshalb gebe es auch noch keine expliziten Regelungen.

Wie läuft ein Abbruch ab?

Gängige Praxis bei Spielabbrüchen ist die: Der Unparteiische unterbricht die Partie zunächst, spricht mit den Spielführern auf dem Platz, aber vor allem auch mit den für die Platzordnung zuständigen Verantwortlichen des Heimvereins. Sieht er nach Ausschöpfung seiner Möglichkeiten keine Chance, das Spiel fortzusetzen, bricht er die Partie ab. „Uns ist wichtig, dass dem Verein Zeit gegeben wird, das Manko zu beheben“, sagt Erich Schneider, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im FVR. „Nach Ablauf dieser Frist muss der Schiedsrichter entscheiden, ob er die Partie fortsetzt oder abbricht.“ Wichtig sei, hier einen realistischen Rahmen zu setzen, betont Schneider. „Da darfst du nicht auf den Sekundenzeiger schauen, sondern musst abschätzen, ob der Verein ernsthaft daran arbeitet, das Problem zu lösen.“

Was sagt die Spielordnung?

In den Durchführungsbestimmungen des Fußballverbandes Rheinland ist unter dem Punkt „Platzordnung“ Folgendes geregelt: „Bei jedem Pflichtspiel müssen, bei Freundschaftsspielen sollen zur Gewährleistung der Platzsicherheit im Seniorenbereich (ab Kreisliga B aufwärts) mindestens fünf mit einer Armbinde oder Ordnerweste gekennzeichnete volljährige Platzordner anwesend sein.“ Die Regelung sei „praxisgerecht in der Form auszulegen, dass eine entsprechende Mindestanzahl von Zuschauern anwesend sein muss“. Werden viele Zuschauer erwartet oder gebe es besonders risikobehaftete Umstände, sei die Anzahl der anwesenden Platzordner entsprechend zu erhöhen. „Bei Vorliegen derartiger Umstände sind auch bei Spielen im Seniorenbereich unterhalb der Kreisliga B genügend gekennzeichnete Platzordner einzusetzen“, heißt es weiter. Die Platzordner dürfen während ihres Einsatzes keine andere Funktion ausüben. Kreisvorsitzender Oliver Stephan merkt an, dass die Schiedsrichter angehalten seien, bei derartigen Vorfällen das Spiel abzubrechen. „Aber das muss der Schiri im Einzelfall vor Ort entscheiden“, so der Funktionär aus Gückingen.

Welche Pflichten hat der Verein?

Der gastgebende Verein muss laut Spielordnung dem Schiedsrichter vor dem Spiel die Liste der eingesetzten Ordner vorlegen. Bei Verstößen hat der Schiedsrichter dies im Spielbericht unter „sonstige Vorkommnisse“ zu vermerken. Kommt es hier zu Versäumnissen, haben Vereine mit Konsequenzen zu rechnen. „Beim ersten Verstoß spricht der Spielleiter gegen den jeweiligen Platzverein eine Verwarnung aus. Bei einem weiteren Verstoß innerhalb derselben Spielzeit erfolgt eine Anzeige an die zuständige Spruchkammer“, heißt es in den Durchführungsbestimmungen. Die Praxis sieht so aus, dass „in 99,9 Prozent der Spiele kein Ordner benötigt“ werde, weiß Dirk Huster als langjähriger Schiedsrichter. „Aber es gibt Spiele, da macht es Sinn, die Vereine schon vorher darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich um genügend Ordner kümmern, die ihre Aufgabe dann auch ernst nehmen.“

Was geschieht nach einem Abbruch?

Der Schiedsrichter meldet den Vorfall seinem Kreissachbearbeiter, der die Sache an die Spruchkammer weitergibt. Zudem soll der Verband über jeden Abbruch – unabhängig von der Spielklasse – informiert werden. Die zuständige Spruchkammer muss entscheiden, ob die Partie neu angesetzt oder eine Spielwertung vorgenommen wird. Hier ist oft eine Frage entscheidend: Hat der Schiedsrichter einen Fehler gemacht? Wird der Fall so entschieden, kommt es oft zu einer Wiederholung des Spiels. Dem Verein, der seine in den Durchführungsbestimmungen definierten Pflichten nicht erfüllt, droht eine Geldstrafe.

 

Welche Strafe erwartet die Verursacher?

Wer mit Pyrotechnik erwischt wird, dem kann der Zugang zum Stadion oder zum Sportplatz verwehrt werden. Zudem können auf verschiedenen Ebenen Platzverbote ausgesprochen werden. „Das kann vereinsbezogen geschehen, aber auch kreisweit, verbandsweit oder sogar auf Bundesebene“, weiß Dirk Huster. Auch ans Portemonnaie kann's dem „Pyro-Fan“ gehen. „In der Strafordnung sind die Rahmen der Bestrafung für die Vereine gesetzt“, sagt der Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider. Die Vereine sind haftbar für ihre Mitglieder und werden deshalb zur Kasse gebeten.

Das können Strafen von 50 Euro sein, je nach Schwere des Falls könnten aber auch 5000 Euro fällig werden, so Schneider. Was der einzelne Verursacher vielleicht nicht bedenkt: „Der Verein kann versuchen, die Strafe auf sein Mitglied abzuwälzen, wenn klar ist, wer es war“, so Bernd Schneider. Dann wird aus dem feurigen Spaß sehr schnell teurer Ernst.

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