SV Hundsangen e.V. 1926

27.11.2017, 09:27, Alter: 87 Tage
Kategorie: Allgemein

frühes Aus für China Projekt

Von: rhein zeitung

                                       

Chinesisches Dilemma in Liga vier

von Jochen Dick  zum Ende des umstrittenen Regionaliga - Projekts

 

Ersatzspieler und Rekonvaleszenten sollten zum Einsatz kommen. Außerdem wollte Trainer Alexander Conrad das eine oder andere ausprobieren. Dann aber fiel das Freundschaftsspiel des Regionalligisten FSV Frankfurt aus. Schuld daran war nicht etwa ein unbespielbarer Platz, sondern ein hoch politisches Dilemma – in der vierten Liga.

Die umstrittene Gastspielreise der chinesischen U 20 durch die deutsche Fußball-Provinz ist bekanntlich auf Eis gelegt – zu Ende, bevor sie richtig angefangen hat. Und sie wird in dieser Form wohl nicht mehr fortgesetzt. Zu viel ist passiert, und zu wenig deutet auf einen Ausweg hin. Politik und Sport lassen sich eben doch nicht mehr voneinander trennen.

Die Politik in Person von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Staatspräsident Xi Jinping hatte im Juli eine umfangreiche Kooperation beschlossen. Der Sport in Person von DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinem chinesischen Amtskollegen hatte zu gehorchen. Wenig Handlungsspielraum also für den Fußball, bei der Ausgestaltung jedoch wurden eklatante Fehler gemacht. Deren Folgen man in irgendeiner Weise hätte vorhersehen können, ja müssen.

Zuerst einmal stellte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Vereine aus der Regionalliga Südwest vor vollendete Tatsachen. Die chinesische Olympia-Auswahl sollte an den Spieltagen Testpartien gegen den jeweils spielfreien Verein austragen. Einige Klubs sowie die meisten Fußball-Fans sahen hierin eine feindliche Übernahme des Amateurfußballs. Der Start des Projekts fiel schließlich in eine Zeit, in der die Kommerzialisierung neue Sphären erreicht hat und die Basis, Amateur-Klubs und Fans, sich von der Elite abgehängt fühlt. Drei Vereine, TuS Koblenz, die Stuttgarter Kickers und Waldhof Mannheim, verweigerten sich der neuen deutsch-chinesischen Fußball-Freundschaft, verzichteten auf die Testspiele und auf jeweils 15 000 Euro Prämie. Bei so viel Wirbel noch vor dem ersten Anpfiff musste man mit Protesten aufgebrachter Fans und Werte-Vertreter rechnen. Und dann kam alles doch ganz anders.

Bei der Premiere in Mainz wurde Tibet den Chinesen zum Verhängnis. Weil Aktivisten eine Handvoll der in China verbotenen tibetischen Nationalflaggen aufhängten, entwickelte sich eine mittlere diplomatische Krise. Mit freier und unliebsamer Meinungsäußerung haben die Kader in Peking seit jeher ein ausgewachsenes Problem. Die Gäste aus Fernost fühlten sich schon jetzt brüskiert.

Wohlgemerkt hatte die China-Elf da noch gar nicht auf dem Bieberer Berg in Offenbach oder bei Wormatia Worms oder Hessen Kassel gespielt. Hier hätten es die wenig zimperlichen Fans der Traditionsklubs gewiss nicht bei ein paar Tibet-Flaggen belassen. Sondern hätten vielmehr ihrem Ärger über den Kommerz auf Kosten des Fußballs Luft gemacht. Haben die DFB-Funktionäre solche Szenarien tatsächlich nicht bedacht, als sie das China-Projekt mit Leben füllten? Nach dem nun gescheiterten Rendezvous mit dem Reich der Mitte lavierte der DFB herum. Der Verband bedauerte in einer Pressemitteilung, dass das Projekt „nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten“ habe. Warum der DFB bei all dem Widerstand im Vorfeld eine breite Zustimmung erwartet hatte, bleibt ein Rätsel.

Klar ist für den DFB dagegen, was zu dem jähen Ende der chinesischen Gastspielreise geführt hat – die Demokratie: „Tatsächlich wurde das Projekt von einigen wenigen Zuschauern genutzt, um Botschaften zu setzen“, die China widerstreben. Jetzt sind also sieben Tibet-Sympathisanten schuld daran, dass ein millionenschweres internationales Projekt ins Stocken gerät? Die freie Meinungsäußerung kann eben doch große Wirkung erzielen.

 

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